Kognitiv : Begriff für alle Vorgänge oder Strukturen, die mit dem Erkennen zusammenhängen:

Wahrnehmung, Erinnerung, Wiedererkennen, Vorstellung, Begriff, Gedanken, Problemlösen usw. 

Kognitive Störungen finden sich vor allem bei Depressionen, schizophrenen Psychosen und 

psychischen Störungen im Zusammenhang mit Hirnerkrankungen.

Link Kognitive Verhaltenstherapie : www.profi-l.de/Fremdtexte/kvt.htm

Schwere der Depression

Depressive Episoden gelten als "leicht", wenn 4 bis 5,

 

als "mittelschwer", wenn 6 bis 7 

 

und als "schwer" wenn 8 und mehr 

 

in der Tabelle aufgelisteten depressiven Symptome gleichzeitig vorliegen.

 

Definition einer depressiven Episode nach ICD - 10

            A) mindest 5 der folgenden Symptome, gleichzeitig während eines Zeitraumes von mindestens zwei

            Wochen ( depressive Verstimmung oder Interessenverlust muss darunter sein )

            Depressive Verstimmung,

            Deutlich vermindertes Interesse oder Freude,

            Gewichtsverlust / zunahme

            Schlaflosigkeit

            Unruhe, Hemmung, Verlangsamung,

            Müdigkeit, Energieverlust,

            Wertverlust, Schuld,

            Konzentrationsprobleme,

            Entscheidungsprobleme,

            Todeswunsch, Suizidideen,

            B) deutliche Änderung der vorher bestehenden Leistungsfähigkeit,

            C) Ausschluss von organischen Ursachen, Schizophrenie, keine Trauerreaktion,

Unipolare und Bipolare Verläufe

Die Einteilung affektiver Störungen in mono - bezw. unipolare Verläufe ist heute breit akzeptiert

und wissenschaftlich gut begründet. Die seltene Gruppe der unipolar verlaufenden Manien wird

heute allgemein den bipolaren affektiven Störungen zugeordnet, im ICD - 10 jedoch als eigene

Subkategorie geführt. Die unipolar verlaufende Depression ( depressive Episode, Dysthyma )

ist die weitaus häufigste Störungsform affektiver Erkrankungen

Komorbidität

Depressionen weisen eine hohe Rate an Komorbidität auf. Überlappungen bezw. gleichzeitiges

Vorkommen von Depressionen mit Angststörungen ( Phobien, soziale Ängste, Panikstörungen,

generalisierte Angststörung ), Zwängen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Essstörungen,

Substanzmissbrauch, Substanzabhängigkeiten, Schlafstörungen, sexuellen Störungen,

somatoformen Störungen, Psychophysiologischen Störungen, doch auch mit schizophrenen

Störungen, hirnorganischen Störungen, zelebralem Abbau sowie verschiedenen 

Persönlichkeitsstörungen sind häufig.

Bei Depressionen ( depressive Episoden und Dysthymien ) in der Epidemiological

Catchment Atea Studie fanden sich in 77 % der Fälle zumindest eine weitere Diagnose.

Die häufigsten waren Angststörungen ( etwa die Hälfte ) Substanzinduzierten Abhängigkeiten

( etwa ein Drittel ) sowie somatoforme Störungen ( etwa ein Drittel ).

Die Frage, ob bei diesen komorbid vorkommenden Störungen, die Depression primär oder

erst in der Folge der anderen Erkrankungen auftritt, ist in der Regel kaum zuverlässig zu

beantworten. Befragt man Probanden retrospektiv, welche der Störungen zuerst da war,

dann erhält man in der Mehrzahl ( zwischen 60 und 80 % ) die Antwort, dass die

Depressionen den anderen Schwierigkeiten und Störungen nachfolgten.

Diagnostische Kategorien affektiver Störungen nach ICD - 10

                                                           Manische Episode ( F 30 )

                                                           Bipolare Störung ( F 31 )

                                                           

                                                           hypomanische Episode

                                                           manische Episode

                                                           mit psychotischen Symptomen

                                                           ohne pychotische Symptome

                                                           leichte / mittelgradige / schwere

                                                           gemischte Episode

                                                           remittiert

                                                           NNB

                                                           Depressive Episode ( F 32 )

                                                           leichte, mittelgradige, schwere

                                                           ohne somatische Symptome

                                                           mit somatischen Symptomen

                                                           ohne psychotische Symptome

                                                           mit psychotischen Symptome

                                                           remitiert

                                                           NNB

                                                           Rezidivierende depressive Störung ( F 33 )

                                                           leicht, mittelgradig, schwer

                                                           remittiert

                                                           mit / ohne somatische Symptome

                                                           mit / ohne psychotische Symptome

                                                           saisonal

                                                           Anhaltende affektive Störungen ( F 34 )

                                                           Zyklothymia

                                                           Dysthymia

                                                           Postpartum Depression ( F 53.0 )

                                                           Sonstige affektive Störungen ( F 38 )

                                                           Andere affektive Störungen NNB ( F 39 )

                                                           Anpassungsstörungen ( F 43.2 )

                                                           Kurze / längere depressive Reaktion

                                                           Angst / Depression gemischt

                                                           Organische affektive Störungen ( F 06.3 )

Kognitionstheoretisches Erklärungsmodell nach Beck

Grundlage einer jeden depressiven Entwicklung ist eine kognitive Störung, wobei das Denken

Depressiver durch logische Fehler wie selektive Wahrnehmung, willkürliches Schlußfolgern,

Übertreibungen etc. gekennzeichnet ist.

 

Auslösebedingungen für eine solche kognitive Störung sind negative, stressbesetzte Erfahrungen

im Verlauf der lebensgeschichtlichen Entwicklung eines Patienten.

( insbesondere Verlusttraumata in der Kindheit ) die sich als kognitive Schemata verfestigen.

 

Diese Schemata werden aktiviert durch belastende Situationen oder kumulativ verstärkt durch die

Erfahrung, überhöhten eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. In solchen Situationen

neigt der Patient dazu, sich selbst, seine Umwelt und seine Zukunft negativ zu sehen

( Kognitive Triade ). Diese kognitive Triade bewirkt, dass sich Depressive immer wieder mit

irrationalen negativen Gedanken beschäftigen, die ihnen plausibel erscheinen.

 

Diese Gedanken erleben sie als automatisch, außerordentlich beharrlich, andauernd und unfreiwillig.

Sie kreisen immer wieder um Themen wie Hoffnungslosigkeit, geringe Selbstachtung,

Selbstkritik, Flucht und Vermeidung, sowie Suizidabsichten. Beck macht diese kognitive Störung

für alle affektiven, motivationalen und psychischen Merkmale bei einer Depression verantwortlich.

Folgt man diesem theoretischen Modell, dann wird die Veränderung von Gedanken 

und Einstellungen aus folgenden Gründen als therapeutisch wirksam postuliert :

                              

Depressive Patienten neigen zu kognitiven Verzerrungen, falschen Ursachenzuschreibungen und

Wahrnehmungsmustern.

Es kann ein Zusammenhang zwischen ( negativen ) Gedanken, Gefühlen und der Stimmung eines

Patienten angenommen werden.

Depressive setzen sich in der Regel sehr hohe Ziele und übernehmen unkritisch Normen, die für

andere gelten. Zwangsläufig ergibt sich daraus oft das Problem, dass Patienten ihre eigenen

Fähigkeiten als gering einschätzen.

Depressive Patienten müssen lernen, dass es außer ihrer, auf Selbstabwertung zielenden

Selbstbeobachtung noch andere Selbstkontrollprinzipien wie z.B. Selbstverstärkung gibt.

Depressive haben die Tendenz, ihre Gedanken bereits als Tatsachen zu betrachten, ohne sie auch

an der Realität überprüft zu haben.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich eine kognitiv orientierte Therapie mit den Schamata und

Überzeugungen eines depressiven Patienten auseinandersetzen muss; automatische, unbemerkt

ablaufende Gedanken aufspüren und gegebenenfalls verändern muss;

Grundeinstellungen eines Patienten, die sein Verhalten, Empfinden und Denken prägen,

herausarbeiten und hinterfragen muss; sowie Erwartungsmuster, Normen, Handlungsziele

und das Selbstkonzept eines Patienten überprüfen sollte.

 

Quelle : Buch Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen

 

Erkennen und Überprüfen kognitiver Fehler

Kognitive System neigen zur Selbstimmunisierung. Dies bedeutet, dass alle Erfahrungen und

Informationen, die gegen den eigenen Standpunkt sprechen, automatisch ausgeblendet oder umgedeutet

werden. Andernfalls könnte der Eindruck entstehen, dass die eigenen Überzeugungen unzutreffend sind.

Eine Möglichkeit dies zu bewerkstelligen, besteht in willkürlichen Schlussfolgerungen oder kognitiven

Fehlern. Einige typische, bei depressiven Menschen häufig zu findende Fehler dieser Art sollen im

Folgenden kurz dargestellt und erläutert werden. In der Therapie müssen diese Denkmuster anhand

konkreter Beispiele erkannt und mitsamt ihren schädlichen ( dysfunktionalen ) Konsequenzen diskutiert 

und korrigiert werden.

Klassisch ist das Alles-oder-nichts-Denken. Alle Vorkommnisse werden in Schwarz-Weiß-Kategorien

gesehen; Grautöne, die unser Leben im Wesentlichen ausmachen, kommen nicht vor. Diese Art zu denken

hat die fatale Folge, dass ich meine Projekte nur dann positiv bewerte, wenn sie 100% erfolgreich sind.

Da ich kein Übermensch bin und i.d.R. -sagen wir mal- 70 - 90 % Erfolg habe, muss ich diese 

( an sich guten ) Leistungen als Misserfolge werten. Denn wenn etwas nicht 100% gut ist, dann ist es 

schlecht. Egal wie geschickt und begabt ich auch bin, mein Leben ist zum Misserfolg verdammt, 

wenn ich in solchen "Alles oder Nichts"/ "Schwarz oder Weiß" Gegensätzen denke.

Wenn mir etwas Negatives passiert, dann heißt dies gemäß einer übertreibenden Verallgemeinerung:

dies ist der Anfang einer unendlichen Serie von Niederlagen, Missgeschicken und Enttäuschungen;

ein negatives Ereignis beweist, dass von nun an alle Ereignisse negativ sein werden.

Dass sie/er seine gute Stelle verloren hat, beweist, dass sie/er nie mehr eine Stelle - geschweige denn eine

gute Stelle - finden wird. Diese Schlussfolgerung ist natürlich unzutreffend. Dies folgt aus der Tatsache,

dass negative Ereignisse i.d.R. von einander unabhängig auftreten, etwa eine unangenehme Diskussion

in einer Kneipe, ein ärgerlicher Blechschaden und fallende Börsenkurse.

Etwas anderes wäre es, wenn aufeinander folgende Missgeschicke eine gemeinsame kausale Wurzel

hätten, also nicht unabhängig voneinander wären. Konsequenterweise glauben gerade schwer depressive

Menschen oft an die Existenz einer solchen gemeinsamen kausalen Wurzel ihrer endlosen Missgeschicke,

etwa einen Fluch, der sie verfolgt, oder Gottes strafende Absicht.

Zum Mechanismus der übertreibenden Verallgemeinerung passt derjenige des geistigen Filters.

Sollte doch einmal ein positives Ereignis auftreten, dass meine übertreibende Verallgemeinerung

widerlegen könnte, wird diese so herausgefiltert, dass es nicht in die Wertung eingeht. Der geistige Filter

immunisiert den Denkfehler der übertriebenen Verallgemeinerung am wirksamsten, wenn er gleichzeitig in

zwei Richtungen arbeitet.

Positive Ereignisse, die gewissermaßen von "außen" kommen, werden nicht durchgelassen und spielen so

für die "innere" Bewertung der Gesamtsituation keine Rolle.

Negative Ereignisse oder besser: Bewertungen bestimmen, wenn sie einmal "innen" angekommen sind,

wie alles andere - das Ganze, gewissermaßen - zu bewerten ist.

 

Beitrag wird fortgesetzt

 

                              Die Gesprächstherapie nach Rogers

Wann ist die Gesprächstherapie ( GT ) das Verfahren der Wahl?

Bei folgenden Störungen oder Problemen ist die GT erfolgreich angewandt worden.

Für diese Bereiche ist die Wirksamkeit der GT durch die Forschung belegt:

Autonomie: Menschen mit ausgeprägtem Autonomiebestreben profitieren offenbar eher

von der GT als von anderen Verfahren, während sie für Menschen, die stärkere

Orientierung und Führung wünschen, nicht geeignet erscheint und zu Unzufriedenheit

und Überforderung der KlientInnen und zu Therapieabbrüchen führt.

Reaktanz und internales Coping: Die klientenzentrierte Vorgehensweise ist das am ehesten

erfolgversprechende Verfahren bei KlientInnen mit einer eher bestehenden Abneigung gegen

Therapie oder bei einer starken inneren Abwehr, z.B. auch gegen Ratschläge oder

ExpertInnenwissen etc. und bei Personen, die gerne ihre eigenen Antworten suchen und

finden wollen.

Fähigkeiten zum"felt sense" und zur Selbstexploration: der "felt sense" ist ein

theorethisches Konstrukt, das eine Fähigkeit zum inneren Spüren beschreibt.

Gendlin beschreibt sie als eine "innere Haltung", ein körperliches Bewusstsein, welche

eine "innere Handlung" ermögliche, eine innere Bewegung, welche dann Veränderungen auf

anderen Ebenen nach sich zieht. KlientInnen, denen dieser Vorgang bereits bekannt und

intuitiv zugänglich ist, profitieren gut von einem gesprächspsychotherapeutischen Vorgehen.

In ähnlicher Weise begünstigt auch die Fähigkeit zur Selbsterforschung einen positiven

GT Verlauf.

Zufriedenheit mit der Therapie auf Seiten des Klienten / der Klientin und Compliance,

das heisst, eine vorhandene Bereitschaft zur kooperativen Zusammenarbeit, können als

wichtigster Hinweis für die Fruchtbarkeit der Arbeit erachtet werden.

Was kann eine GT für sie tun?

Nicht der Therapeut ist es, der Veränderungen hervorbringt, sondern der Klient selber.

Das wichtigste ist, ihm nicht im Weg zu stehen.

                                                                                    Eugene T. Gendlin

Entscheidung für eine therapeutische Haltung

In einer Gesprächstherapie nach Rogers will der Therapeut nichts für den Klienten.

Dies mag grundsätzlich erst einmal schwierig oder ungewöhnlich erscheinen angesichts einer

Gesellschaft und einer Zeit, in der wir wenig am Wachsen und am Akzeptieren, sondern am

Verbessern und Optimieren, und das möglichst schnell, interessiert sind. In einer Zeit mit dem

Bedürfnis nach "hoher Planungssicherheit" und "günstigen Standorten", in der wir genau wissen,

wann wir wohin gekommen sein wollen, fördert dies den Wunsch nach schnellen Lösungen,

eindeutig erreichbaren Zielen und direktiven Vorgehensweisen, die zu schnellen und

messbaren Erfolgen führen.

Dies macht sicher oft Sinn. ist aber an manchen Stellen so ähnlich wie mit dem Düngen und

Gen-Manipulieren von dicken, besonders roten Tomaten, finde ich. Meine Lehrtherapeutin sagte:

"Die Seele braucht Zeit, man muss Zuwarten können". Mir gefiel das gut, in "ihrem Garten

langsam wachsen zu dürfen" und auch meine KlientInnen, eine jede und ein jeder im eigenen

Tempo und der eigenen Schönheit, wachsen zu sehen.

Die Haltung des Therapeuten / der Therapeutin

Empathie: Dies bedeutet, dass wir versuchen werden, Sie so genau wie möglich zu verstehen

und Ihnen auf diese Weise ermöglichen werden, sich selber besser, genauer oder tiefer zu verstehen,

anstatt zu verurteilen oder zu beurteilen, zu verbessern oder anzuleiten.

Akzeptanz: Indem wir Sie versuchen zu verstehen, wird es uns möglich sein, Sie zu akzeptieren,

Sie anzuerkennen, Sie zu wertschätzen mit all dem, was Sie mitteilen und vorfinden in sich.

Dies ist wichtig, um eine Vertrauensbasis zu schaffen, sich auch an den schwierigen Stellen zu wagen,

die Dinge genau zu benennen und sich ihnen zu stellen. Indem wir die Dinge akzeptieren, die Sie

nur schwer an sich haben können und gerne ganz weg hätten, lernen Sie sich selber mit allen

Gefühlen, Facetten und Erfahrungen anzunehmen. Allerdings wird das nicht bedeuten, dass wir alles

unbedingt gutheißen werden, was Sie tun. Einiges. was stört oder verwerflich erscheint, werden wir

aber als Ausdruck von Not verstehen können. Manchmal wird es hilfreich sein, auch Grenzen

aufzuzeigen, ohne dass wir Sie als Person weniger wertschätzen müssen.

Kongruenz: In den gemeinsamen Prozessen werden wir versuchen, Ihnen so aufrichtig wie möglich

als echtes Gegenüber zur Verfügung zu stehen. In dem Maße, in dem das Vertrauen wächst und

wir Sie kennen lernen, werden wir durch unsere Beobachtungen, Spiegelungen und Konfrontationen

versuchen Ihnen beim Gewahrwerden hilfreich zu sein, über Ihre bisherigen Verstehensgrenzen

hinauszugehen und in eine Beziehung einzutreten, in der Sie aufrichtig und wahrhaftig sein können.

Verbesserung des Befindens

Therapeuten/innen gehen davon aus, dass diese oben beschriebene Art des Beziehungsangebots

Ihnen ermöglichen wird, ihre Probleme und sich selbst in einem anderen Licht sehen zu können und

dadurch Veränderung ermöglichen wird. In der gelungenen therapeutischen Beziehung werden

Erfahrungen ermöglicht, die Sie bisher als zu schmerzlich oder inakzeptabel aus Ihrem Erfahrungsfeld

haben verbannen müssen.

Die Störungstheorie der GT nimmt an, dass es zu Störungen kommt, weil wir einige Erfahrungen nicht

akzeptieren und daher aus unserem Bewusstsein ausschließen müssen, weil sie uns bedrohlich

erscheinen. Dies geschieht grundsätzlich erst einmal bei jedem Menschen. Wir haben ein Bild von uns,

dem wir gerecht werden, dem wir entsprechen wollen. Jede Erfahrung, die dieses Bild erschüttern

könnte, versuchen wir zu vermeiden. Dies tun wir durch verschiedene sogenannte Abwehrmechanismen:

z. B. Verleugnung ( ich habe kein Problem oder so bin ich nicht, häufig z. B. bei Sucht zu beobachten,

Verdrängung ( lieber nicht hingucken ), Kompensation oder Sublimierung ( in die Arbeit stürzen ).

Es gibt viele weitere Arten, eine Erkenntnis abzuwehren, eine schmerzliche Erfahrung zu vermeiden,

z. B. indem ich die Erfahrung, eine damit verbundene Person oder mich selbst entwerte. Auch ein 

Symptom betrachten wir zunächst als einen Versuch der Abwehr.

Hierbei sind typischer Weise die Zusammenhänge zwischen abgewehrter Erfahrung und 

Symptom der betreffenden Person nicht bewusst und liegen oft lange zurück. 

Dies ist eine Art der Bewältigung, die aber ihren Preis hat.

Von Störungen würden wir erst dann sprechen, wenn der Preis zu hoch wird, wenn die Abwehr nicht

mehr klappt und zuviel Kraft raubt, wenn die nicht erlaubte Erfahrung dauernd "stört". Wir sprechen

 hier von einer Inkongruenz, einer Unstimmigkeit, der sich die betreffende Person bewusst wird.

Zu diesem Zeitpunkt suchen die Menschen dann Hilfe oder kommen in Beratung oder Therapie.

Als GesprächstherapeutInnen gehen wir von der Grundannahme aus, dass in jedem Menschen eine Kraft

wohnt, die danach strebt "heil" zu sein, im Sinne von kongruent, stimmig, im reinen mit sich und den

gemachten Erfahrungen. Aus diesem Grund brauchen wir Sie während einer Therapie auch nur

wertschätzend, aufrichtig und verstehend zu begleiten, da diese Kraft dann den weiteren Weg Ihrer

Entfaltung ebnet.

Die Verläufe der GT unterscheiden sich z. B. sehr deutlich von Verläufen der Verhaltenstherapie ( VT ).

Am wesentlichsten erscheint mir hier, dass sich während einer GT zwischen der 10. und 20. Sitzung

das Befinden der KlientInnen zunächst verschlechtern kann. ( Dies liegt an der zunehmenden

Bewusstwerdung und der Auflösung der Abwehr.) Eine Besserung erfolgt erst danach, dann aber

oft gut und stabil.

 

Beitrag auszugsweise entnommen aus Unterlagen von Bärbel Nellissen, Psychol. Psychotherapeutin