Die  D e p r e s s i o n

Depressionen sind eine Erkrankung mit mehreren Krankheitsbildern, so dass sie selbst von Ärzten nicht sofort erkannt werden.

Merkmale sind :

Körperliche Beschwerden, Missbefinden, Antriebslosigkeit, innere Unruhe,  

Schlafstörungen, fehlende Lebensfreude, innere Leere und Traurigkeit,

vermindertes Selbstwertgefühl, schwindendes Interesse, 

Konzentrationsschwäche, Unentschlossenheit, Schuldgefühle – Selbstanklagen,

„Alles ist grau“, Gedanken an Selbstmord.

Die Symptome treten allmählich, rasch oder schlagartig auf.

Leichte Depressionen äußern sich durch einige nicht allzu stark ausgeprägte Symptome und sind gut und schnell zu bewältigen. Ohne Behandlung können sie sich jedoch leicht zu mittelschweren Depressionen entwickeln

Mittelschwere Depressionen zeichnen sich durch ein breites Spektrum an Symptomen und Probleme bei der Bewältigung des Berufs- oder Privatlebens aus

Schwere Depressionen sind eine ernsthafte Krankheit. Sie bereitet den Betroffenen große Schwierigkeiten alltägliche Lebenssituationen zu meistern und werden häufig von Selbstmordgedanken begleitet.

Exogene Depressionen werden durch Medikamente ausgelöst, z.B. Cortison, Drogen, Alkohol, Neuroleptika.

Die Erkrankung kann „Jeden" treffen, gleich welcher sozialen Schicht, 

Kultur oder Nationalität. Frauen sind stärker betroffen als Männer, 

sie kommt bei Kindern und steigend bei Jugendlichen vor.

Eine Depression kann zwischen Wochen und Monate, in seltenen Fällen 

bis zu Jahren andauern.

Eine Depression hat selten eine einzige Ursache. 

Meist führt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Erkrankung.

Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle.

Ebenso können bestimmte Persönlichkeitsfaktoren ( Persönlichkeitsstörungen ) 

von Bedeutung sein. Akute psychosoziale Belastungen, wie der Verlust oder Tod 

einer Bezugsperson, treten vermehrt vor dem Beginn einer Depression auf. 

Von Belang sind außerdem soziale Faktoren, die eine Anpassung an neue 

Umstände erfordern wie Heirat, Arbeitslosigkeit und Berentung.

Die verschiedenen Faktoren führen zu neurobiologischen Veränderungen im  

Hirnstoffwechsel, die bei manchen Personen in eine Depression münden können.

Depressive halten sich nicht für krank – sondern für Versager.

Die Selbstmordrate bei depressiven Menschen ist hoch.

 

Depressionen lassen sich von Fachärzten ( Neurologen ) lindern, durch ärztlich 

kontrollierten Einsatz von Antidepressiva.

Zur weiteren Heilung ist eine Psychotherapie bei einem guten Therapeuten / 

Therapeutin erforderlich. Als wirksam erweist sich die kognitive 

Verhaltenstherapie, sowie die tiefenpsychologische fundierte Therapie.

Der Depressive muss zur Therapie bereit sein und aktiv mitarbeiten.

„ Es muss nicht etwas passieren – sondern ich muss etwas tun.“

 

Depression - eine Volkskrankheit?!

Depressive Erkrankungen stellen ein sehr erhebliches Gesundheitsproblem dar. Die WHO

( Weltgesundheitsorganisation ) berichtet, dass Depressionen im Jahr 2020 nach den kardiovaskulären

Erkrankungen weltweit die Hauptursache schwerwiegender gesundheitlicher Beeinträchtigungen sein 

werden. Es scheint angebracht angesichts dieser Prognosen, die Belastungen depressiver Erkrankungen zu

verringern. 

( Auszug Einladung der European Depression Assoziation zum Europäischen Depressionstag 2004 )

 

Längst ist den Fachleuten bekannt, dass depressiver Menschen zur Risikogruppe für konorare 

Herzerkrankungen, Diabetes Typ II, Chronischen Tinitus, Magen-Darm-Erkrankungen und Suizid zählen.

Verstärkt wird dies durch Neigungen zu Gewichtsproblemen und einem hohen Raucheranteil.

Bei vielen Herzinfarktpatienten wurde festgestellt, dass vor dem Infarkt, eine depressive 

Erkrankung vorlag. Der Anteil der Depressiven, die an Diabetes leiden, liegt bei 20 %.

Depressive haben eine um bis zu 9 Jahre kürzere Lebenserwartung gegenüber dem Durchschnitt 

der Bevölkerung.

Kaum bekannt und wahrgenommen wird, dass schon Kinder und Jugendliche Depressionen 

haben können.

Gerade im jugendlichen Alter ist die Zahl der Suizidversuche und deren Ausführung mit Todesfolge hoch.

 

Auszüge aus dem Vortrag Depressivität und körperliche Erkrankung  von Wolfgang Tress gehalten am

16. April 2005 zur Auftaktveranstaltung Bündnis gegen Depression in Düsseldorf.

 

Arbeitskreis Depressionsstationen

Derzeit gibt es in der Bundesrepublik Deutschland ca. 60 sog. Spezialstationen für depressiv

Kranke ( Depressionsstationen ), die sich der Diagnostik, Therapie und Pflege von schwer 

und schwerst depressiv kranken Menschen gewidmet haben. Diese Entwicklung wurde im

Rahmen des Konzeptes der "inneren Differenzierung" psychiatrischer Fachkrankenhäuser

in den letzten 20 Jahren angestrebt. Dabei war die Einrichtung der Depressionsstation am

damaligen psychiatrischen Landeskrankenhauses Weissenau, heute Zentrum für Psychiatrie

Weisenau und Abtl. Psychiatrie 1 der Universität Ulm, Vorreiter hinsichtlich des heutigen

Arbeitskreises der Depressionsstationen. Die damalige Weissenauer Depressionsstation

wurde 1976 gegründet, in Anlehnung an Modelle aus den USA oder in Australien.

Diese Spezialisierung bzw. in der logischen Folge der Entwicklung psychiatrischer

Fachkrankenhäuser als innere Differenzierung bezeichnete Entwicklung begann sich 

dann durchzusetzen und führte zu der heutigen Szene von Depressionsstationen in 

deutschen psychiatrischen Fachkrankenhäuser, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,

und auch einigen Universitätskliniken.

Auf Depressionsstationen werden schwer und schwerst depressiv Kranke behandelt,

überwiegend sind dies Depressive nach Suizidversuch, Depressive mit einer psychotischen

Depression ( klassischer Schuld- Verarmungs-, Krankheits- oder Untergangswahn ),

Depressive mit schweren körperlichen Erkrankungen, die ambulant kaum behandelbar

sind, chronische bzw. sog. therapieresistente Depressive, meist seit mehreren Jahren in

Behandlung, Komorbiddepressive usw.

Problembeschreibung

Im Expertenkreis besteht Übereinstimmung, dass die Häufigkeit diagnostizierbarer und

behandlungsbedürftiger depressiver Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung aus einer

Reihe von Gründen zugenommen hat und weiter zunehmen wird. Die anstehenden 

Problembereiche lassen sich wie folgt benennen:

1. Unterdiagnostik depressiver Störungen, vor allem bei Männern und bei alten Menschen,

auch bei Menschen mit körperlichen Erkrankungen. So werden z.B. Depressionen bei

Männern selten erkannt, bei alten Menschen werden dementielle Prozesse und depressive

störungen häufig gleichgesetzt und fehldiagnostiziert, was auch zu Fehlbehandlungen

führt, depressive Störungen bei somatischer Komorbidität werden meist nicht als solche 

behandelt sondern als einfühlbare Reaktion verstanden und von daher nicht als 

behandlungsbedürftig gesehen. 

( Verwechselung von Erklären/Verstehen und Behandlungsnotwendigkeit einer Erkrankung )

2. das Fehldiagnoseproblem depressiver Störungen fälle in den gleichen Bereich. Hier geht

es um die fehlende Wahrnehmung von Depression bei anderen psychischen Erkrankungen

(z.B. bei Suchterkrankungen, aber auch bei Schizophrenie ), von Depressionen bei

körperlichen Erkrankungen usw. Problem ist, dass es dann auch zu Fehlbehandlungen kommt

bzw. zu Unterbehandlung und zu einem Überwiegen von Therapien z.B. mit Benzodiazepin -

Tranquilizern, ohne adäquate antidepressive Medikation bzw. antidepressive Psychotherapie.

3. Die Problematik der Suizidität depressiv kranker Menschen ist völlig unterbewertet und

unterbelichtet. In der Fragestellung - Depression und Suizidität -, insbesondere und

suizidpräventiven Überlegungen im Bereich der allgemeinmedizinischen Versorgung ist 

völlig unzureichend bearbeitet. So wissen wir, dass 40 bis 60% aller Suizide in der Allgemein-

bevölkerung pro Jahr im Zustand einer depressiven Störung geschehen und dabei 

überwiegend im ambulanten Versorgungsbereich; hier sind die tragischen Folgen von Unter-

und Fehldiagnostik und Fehlbehandlung direkt zu erkennen.

4. Im stationären Versorgungsbereich versammeln sich etwa 5% aller depressiv kranken

Menschen, allerdings die schwerst depressiv Kranken. Dies hat eine hohe 

betriebswirtschaftliche Bedeutung, da hier ganz besonders die Gefahr Chronifizierung,

der Rezidivierung und damit auch der vorzeitigen Pensionierung und Berentung ansteht.

Auch hier ist Forschungsbedarf gegeben, zumal kaum psychosoziale Faktoren der 

erneuten Erkrankung bekannt sind.

 

Quelle:  Auszüge aus dem Schreiben Arbeitskreis Depressionsstationen an den 

Sachverständigenrat im Gesundheitswesen

Aggression, Schuld und Bestrafung

 Die Aggressivität Depressiver äußert sich meist sehr indirekt, versteckt oder hintenherum

und ist ihnen selbst oft gar nicht bewusst. Vor der Aggressivität anderer haben sie große Angst,

haben das Gefühl, sie könnten ihr nichts entgegensetzen und erleben sie gern als Bestrafung.

Eine 26 -jährige Praxisassistentin erzählt ihren Initialtraum:

Ich ging auf der Leopoldstr. und hatte einen Termin bei Ihnen. Es war schon 5 oder 6 Min.

nach der Zeit; ich bin geeilt. Statt der Tür war eine Glastür da. Ich konnte Sie sehen,

Sie haben telefoniert, ich habe Sie gestört. Es war unangenehm, weil ich wusste, was nachher

kommen würde, ich habe gedacht, jetzt kriege ich von Ihnen eine auf den Deckel.

Die primäre Aggression der Patientin - sie kommt zu spät zur Stunde und lässt den

Analytiker warten - ist während der Traumerzählung längst verlorengegangen. Statt dessen

erlebt sie, dass der Analytiker ihr nicht zugewendet ist, sondern zur Unzeit telefoniert und 

sie wiederum warten lässt - eine von ihm ausgehende Aggression; ihre berechtigte

Empörung darüber wird jedoch wiederum durch ihr schlechtes Gewissen überdeckt;

und schließlich erwartet sie, bestraft zu werden, was zumindest eine Entlastung für ihr 

Schuldgefühl bedeuten würde.

 

Arbeitslosigkeit und Depression

Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet in der Leistungsgesellschaft nicht nur eine

materielle Schlechterstellung des Betroffenen, sondern in der Regel auch eine erhebliche

psychische Belastung. 

Das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, soziale Nicht-Anerkennung, ungeregelter

Tagesablauf sowie Kontaktverlust und Minderwertigkeitsgefühle können dabei eine Rolle

spielen. In zahlreichen Untersuchungen fanden sich drastische Unterschiede in der 

psychischen Gesundheit Arbeitsloser und vergleichbarer Gruppen Beschäftigter.

( siehe Bundesgesundheitsbericht ) Kein Zweifel besteht auch daran, dass Arbeitslosigkeit

zu einem Ansteigen sowohl von Suiziden als auch Suizidversuchen führt. 

Weiterhin zeigt sich, dass mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit auch die Zahl der

Suizide steigt.

 

Quelle: Kompetenznetz Depression, Suizidalität, Modul 7

 

 

Aggression bei Depressiven

Die Position, ob und inwieweit aggressive Konflikte zentrale Bedeutung für die depressiven

Patienten haben, sind sehr gegensätzlich. Vereinigt man die widersprüchlichen Positionen,

kommt man dem Phänomen Aggression bei Depressiven sehr nahe:

"Der völlig unaggressive aggressive depressive Patient."

Diese Verbindung wird dem Selbsterleben des Depressiven gerecht, der sich selbst kaum

je aggressiv erlebt, für den es erschreckend wäre, als aggressiv bezeichnet zu werden.

Gleichzeitig erleben andere sehr wohl die depressive Aggressivität, möchten sie meiden

und ziehen sich zurück. Der Kreis schließt sich dann, wenn der Depressive nun um so mehr

bemüht ist, auch kleinsten Ärger zu unterdrücken und zu verstecken, aus Angst vor den

Folgen des Ärgers. So wird die Aggression in ihm immer mehr zum undifferenzierten Kloß,

zur unbestimmten Enge, die es zu vermeiden gilt, vor allem aus Angst, andere zu verlieren.

Es lässt sich das Paradoxon beschreiben : 

Der depressive Patient ist zuviel und zu wenig aggressiv.

Ersteres gemessen an seinem Erleben und an seinen Verarbeitungsmöglichkeiten - letzteres in

seinem Verhalten. Der Begriff Aggression bleibt zunächst allgemein und differenziert nicht, welche

Art von Aggression gemeint ist: offene, laute, leise, tätliche, verbale, gerichtete, ungerichtete.

Diese Differenzierung ist erst dann möglich, wenn es der Depressive erträgt, hinzuschauen, wenn die

Objektbeziehungen dies zulassen. Bevor das möglich ist, werden die Angst, der Schmerz, 

körperliche Beschwerden, die Schuldgefühle wahrgenommen, nicht aber der Ärger. Ergänzt wird

das Paradoxon von zuviel und zuwenig Aggressivität durch die mangelnde Differenzierung.

Depressive Patienten überschätzen sich in ihrer Aggressivität oft ungemein und erleben

sich bereits, wenn sie sich abgrenzen, als böse. Sie schränken sich dann immer weiter ein

bis dahin, dass ein Nein nicht ausgesprochen werden kann. Dem Depressiven vermitteln

sich Aggressivität und Ärger also verschleiert. Er erlebt nicht die aggressive Spannung,

allenfalls ein Gefühl von Schuld. Hilflosigkeit und Überforderung, mit etwas umgehen zu

müssen, was es gar nicht geben dürfte.

So kann sich die sprachlich noch nicht fassbare aggressive Spannung im Agieren entladen.

Unbewusste Aggression kleidet sich in unschuldige Aggression, und die Hilflosigkeit des 

Depressiven angesichts der Überforderung, aggressiv, unaggressiv zu sein, wird spürbar.

Bei der Aggressionsanalyse ist es wichtig, sie in Verbindung mit der adaptiven Bedeutung für 

den Depressiven im Rahmen seiner Lebensgeschichte wahrzunehmen und zu deuten.

Wenn dem Depressiven deutlich wird, dass es für ihn in seiner Genese zentral wichtig, vieleicht

lebensnotwendig war, Widerstand, Aggression und Ärger zu kontrollieren - womöglich bis

hin zur Verleugnung - dann wird es entlastender, hinzuschauen, weil aggressive Impulse auch 

positiv besetzt werden können. Nur auf diesem Wege und indem der Depressive selber ein

Verständnis für seine Symptomatik entwickelt, ist es möglich, dass der Überich - Druck nicht

noch anwächst, die Abwehr verstärkt und die Schuld und Schamgefühle erhöht werden.

 

Der depressive Grundkonflikt

Bei der Entstehung einer depressiven Störung im Erwachsenenalter wird der infantile

Grundkonflikt der Depression aktiviert. Dieser ist jedoch nicht direkt zugänglich, da er

tief unbewußt verankert ist und durch eine ganze Reihe von sekundären Verarbeitungen

und psychischen Abläufen überlagert wird.  

Der depressive Grundkonflikt ist - so würde ich ihn zusammenfassen - begründet in der

Unverträglichkeit zweier Wünsche; einerseits dem Liebesobjekt nah sein zu wollen bis 

zur Verschmelzung, anderseits eine Wut ausleben zu wollen, die bis zur Zerstörung des 

Objekts oder seiner selbst gehen könnte.

Liebe und Hass sind beim Depressiven nicht integriert, da sie durch die

Mechanismen der Introjektion und der narzisstischen Identifizierung seit seiner 

Kindheit getrennt gehalten worden sind, das gute Objekt und Selbstbild wurde ins

Überich  aufgenommen; das böse Objekt in Verdrängung gehalten; die Wut dabei 

wird durch Wendung gegen das eigene Selbst abgeführt. Die mangelnde Integration

von Liebe und Aggression beim Depressiven hat von daher nichts mit dem Abwehr -

mechanismus der Spaltung in Gut und Böse zu tun.

Die Zuspitzung dieses Grundkonflikts geschieht durch die Sehnsucht der Depressiven

nach einer engen, präödipal getönten Bindung an ein Objekt ( ideales Mutterbild ),

Dritte ( Vater, Geschwister, Freunde, äußere Realität usw ) werden zumindest in den

zentralen Phantasien und Wünschen heruntergespielt. Das mütterliche Objekt wird 

mit intensiver Liebessehnsucht und Anhänglichkeit gesucht. Dabei fürchten die

    Depressiven Abweisung, Enttäuschung und Kränkung. Kein Wunder, dass sie ihre

aus verschiedenen Quellen genährte Wut ( Abhängigkeitswut, Kränkungsärger,

Enttäuschungswut, narzisstische Wut, Schamspannung ) zurückhalten müssen.

So entsteht ihre große Angst einerseits vor Liebesverlust, anderseits aber vor einer

phantasierten Objektzerstörung, mit der sie paradoxerweise in ihrer unbewussten 

Angst gerade ihr geliebtes Objekt bedrohen. Viele der pathologischen Erlebens -

und Verhaltensweisen Depressiver lassen sich aus dem Umgang mit diesen Ängsten

erklären.

 

Quelle :Buch Depression - Kohlhammer 

 

Formen der Depression

Unipolare Depression : Die meisten Menschen, die an einer Depression erkranken, erleiden in ihrem

Leben mehr als eine depressive Episode. Derartige Episoden dauern unter Umständen Wochen,

manchmal auch Monate insbesondere dann, wenn die Patienten nicht konsequent behandelt werden.

Treten nur depressive Episoden auf, spricht man von einer unipolaren Depression.

 

Bipolare affektive Störung : Manche Patienten erleiden nicht nur depressive, sondern auch 

manische Episoden. Manische Episoden sind gekennzeichnet durch einen unbändigen Tatendrang,

meist gehobene Stimmung, fehlendes Schuldbedürfnis, Größenideen, häufig auch durch Kaufrausch.

 

Dysthymie : Manche Patienten leiden an einer meist leichter ausgeprägten, aber dafür chronisch

verlaufenden Form der Depression, genannt Dysthymie. Diese beginnt meist im frühen

Erwachsenenalter.

 

Depressive Episoden im Rahmen unipolarer und bipolarer effektiver Störungen

sowie Dysthymie gehören zu den wichtigsten Depressions - Diagnosen.

Depressive Erkrankungen können jedoch auch im Rahmen körperlicher 

Erkrankungen z. B. Schilddrüsenfunktionsstörungen oder in Verbindung mit

bestimmten Medikamenten z. B. hochdosierte Kortisonbehandlung, auftreten.

 

Depression hat viele Gesichter

*  Oft geht der Depression eine besondere Belastung oder eine anhaltende Überforderung 

    voraus. Sie kann aber auch wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommen.

*  Viele Betroffene erleiden nur eine einzige, über Wochen oder Monate gehende depressive 

    Phase in ihrem Leben, bei anderen kehrt die Depression wieder.

*  Manche Patienten geraten besonders leicht in den trüben Herbst- und Wintermonaten in eine

    depressive Bedrücktheit.

*  Nicht immer muss die depressive Verstimmtheit im Vordergrund stehen: bei manchen 

    überwiegt der fehlende Antrieb und Schwung, bei anderen eine rastlose innere Unruhe.

*   Oft kommt es zu Schlafstörungen und vielfältigen körperlichen Beschwerden. Auch geht das

     Interesse an Sexualität verloren.

*  Neben ausgeprägter Freud- und Gefühlslosigkeit mit innerer Leere kommt es häufig zu

    Konzentrationsstörungen und manchmal auch zu beklemmender Angst.

*  Der Schweregrad ist unterschiedlich, bis hin zum völligen Erliegen des normalen Alltags.

 

Wichtig: Wenn man im Zweifel ist, ob man an einer Depression leidet, 

sollte man zum Arzt gehen. Lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig.

 

Depression ist erfolgreich behandelbar

*  Mit medikamentöser Therapie und psychotherapeutischen Verfahren stehen hochwirksame

    Behandlungsmethoden zur Verfügung.

*  Leider kommen sie jedoch zu selten zum Einsatz, weil Depressionen noch immer häufig

    übersehen werden.

*  Um einen Rückfall zu vermeiden, ist meist eine regelmäßige und oft Monate dauernde

    medikamentöse Therapie notwendig.

*  Antidepressiva machen nicht abhängig, sie verändern auch nicht die Persönlichkeit.

*  In einer Psychotherapie erwirbt der Patient Strategien, um anders mit seinen Problemen

    umzugehen. Dabei spielt der Aufbau von positiven Erfahrungen und das Durchbrechen

    von negativen Grübeleien eine wichtige Rolle.

*  Wenn Angehörige verstehen, dass es sich bei einer Depression um eine ernsthafte Erkrankung

    handelt, können sie durch ihre Unterstützung ebenfalls einen wichtigen Beitrag für die

    Bewältigung einer Depression leisten.

 

Wichtig : Depressionen sind kein unabwendbares Schicksal. 

Sie lassen sich in aller Regel gut behandeln.

 

Wahnhafte Depression

Unter einer wahnhaften Depression versteht man eine besonders schwer ausgeprägte 

depressive Episode, die neben den typischen Symptomen mit "psychotischen" einhergeht,

nämlich mit Wahn, Halluzinationen und / oder Stupor.

"Ich bin schuldig, diese Schuld kann niemals von mir genommen werden, ich bin in die ganze

Ewigkeit verdammt, das ist nicht verzeihbar, ich bin ein schlechter Mensch, selbst der Tod

kann mich nicht mehr retten."

Dies sind einige Formulierungen von Patienten mit depressiver Wahnsymptomatik, bei denen

die kognitiven depressiven Denkinhalte über die Einengung hinaus, über die Angst und Sorge,

über die überwertige Idee hinaus zur absoluten und nicht korrigierbaren Gewissheit geworden

sind. Eine wahnhafte Depression ist also eine Depression, die mit einer Fehlbeurteilung der

Realität einhergeht, an der der Patient festhält, unkorrigierbar und auch von früheren 

Erfahrungen unabhängig, auch wenn sie im Widerspruch zur Erfahrung der Mitmenschen

und zu sonstigen Überzeugungen und Auffassungen sowie wissenschaftlichen Erkenntnissen

steht. Ein depressiver Wahn ist also eine falsche persönliche Überzeugung, die aus 

unrichtigen Folgerungen aus der Realität, aus aktuellen Ereignissen entsteht, die im Kontext

mit einer tiefen depressiven Herabgestimmtheit steht und an der festgehalten wird, auch 

wenn das Ausmaß der Ideen völlig über das hinausgeht, was an normaler Sorge, an Angst

und Furcht sonst möglich ist. Die klassischen Wahnthemen von Verarmung, Versündigung,

Schuld, Untergang und Krankheit sind in die jeweilige Kultur und das Zeitgeschehen 

eingebettet, wenngleich sie sich nicht an aktuellen Ereignissen aufhängen, sondern eher

Werte des jeweiligen Zeitrahmens wiedergeben. Hinter jedem vordergründigen Wahnthema

steht dabei "Todesangst," Untergangsgewissheit, und mit zunehmender Dauer des Wahns

gibt es eine Progression in Richtung Schuldgefühl mit Selbstbestrafungstendenz.

        

Quelle : Buch Depression erkennen, verstehen, behandeln

 

Wahnhafte Depression- Aspekte der Psychopathologie, Psychotherapie u. 

Psychopharmakotherapie

 

Depressive Störungen unterschiedlicher Ausprägung gehören gemeinsam mit Angsterkrankungen

und süchtigem Verhalten zu den häufigsten psychischen Störungen in der Allgemeinbevölkerung. 

Dabei gehören neben den so genannten chronischen depressiven Störungen vor allem depressive 

Erkrankungen mit psychotischen Merkmalen, allgemein als "wahnhafte Depression" bezeichnet,

zu den besonderen diagnostischen-therapeutischen Herausforderungen.

Die Angaben zur Häufigkeit wahnhaften Erlebens bei einer Depression schwanken zwischen

10 und 45% und hängen von der betrachteten Gruppe ab. In einer unausgelesenen Population

stationärer Patienten mit schweren depressiven Störungen fand Wolfersdorf ( 1997 ) 8 bis 12%

Depressive mit Wahnsymptomatik unter 3392 kumulativen Aufnahmen 1977 bis einschließlich

1994. In einer unausgelesenen stationären Klientel, damit besonders schwer depressiv Kranker,

weist also jeder 8. bis 10. Patient ein depressives Bild mit psychotischen Merkmalen

( wahnhafte Depression,"delusional depression" ) auf. Aufgrund  des besonders schweren

Zustandsbildes, des hohen Suizidrisikos in dieser Gruppe, der zunehmenden Verschlechterung

der Symptomatik unter unzureichender Therapie und einer fehlenden Placebo-Response gilt

die "wahnhafte Depression" als ein sehr schweres und immer unter stationären psychiatrisch-

psychotherapeutischen Rahmenbedingungen zu behandelndes Krankheitsbild.

"Psychopathologie der "wahnhaften Depression"

Die wahnhafte Depression gilt nach ICD-10 als eine besonders schwer ausgeprägte

depressive Episode, die durch 7 typische Symptome gekennzeichnet ist, einschließlich der die

Gruppe definierten psychotischen Symptome, Halluzination und/oder Wahn, Stupor.

Bezüglich der Zugehörigkeit von Stupor zur im engeren Sinne psychotischen Symptomatik 

besteht Uneinigkeit, insbesondere geht man davon aus, dass ein Großteil der depressiven 

Stupores eigentlich solche mit zentraler Angstsymptomatik sind.

Clayton hat die "psychotic depression" als Untergruppe einer "major depression" einer

"bipolar I or II depression" bezeichnet und die weiteren Subgruppen nach

stimmungskongruent bzw. stimmungsinkongruent unterteilt. Erstes meint die 

Übereinstimmung  von Wahnsymptomatik oder Halluzinationen mit der depressiven

Herabgestimmtheit und der Psychodynamik, letzteres erlaubt auch die Zuordnung von nicht

auf die depressive Thematik bezogenen Symptomen wie Gedankeneingebung, -ausweitung

oder -kontrolle oder auch von paranoiden Beeinträchtigungs- oder Vergiftungsideen, die sich

nicht aus einer Schuldthematik der Depression ableiten lassen.

Wahn wird von Scharfetter als eine private und privative lebensbestimmende Überzeugung

eines Menschen von sich und seiner Welt bezeichnet. Nicht der Inhalt ist das Krankhafte

am Wahn, sondern die aus der Gemeinsamkeit herausgerückte, verrückte Beziehung

zu Mitmenschen und Mitwelt.

Im DSM-III wird als Definition von Wahn angeboten: Falsche persönliche Überzeugung

aufgrund unrichtiger Folgerungen aus der Realität, die fest beibehalten wird, trotz abweichender

Ansichten fast alle anderen Personen und trotz unwiderlegbarer Beweise des Gegenteils, wobei 

diese Überzeugung nicht von den Angehörigen der selben Kultur oder Subkultur des 

Betreffenden geteilt wird und auch kein religiöser Glaubensinhalt sein darf.

Eine "wahnhafte Depression" ist also eine schwere depressive Episode mit psychotischen

Symptomen, die bei einer einmaligen, einen rezidivierenden depressiven Störung bzw. bei

einer depressiven Episode im Rahmen einer bipolaren affektiven Erkrankung vorliegen kann.

Die Frage um 2 mögliche Subtypen von major depression, nämlich eine eher affektiv und 

vegetativ betonte Form mit depressiver Herabgestimmtheit sowie Vitalsymptomatik, die andere

mit dem führenden Symptom der kognitiven Störung des wahnhaften Erlebens mit

thematischer Einengung, Generalisierung, Maximierung, Projektion und 

Wahrnehmungsstörung, wurde schon in den 70er Jahren diskutiert.

Während die Depression mit Wahn sich diagnostisch gut erkennen lässt, außer die

Stimmungsinkongruenz ist sehr stark ausgeprägt und die Wahninhalte sind eher abstrus

formuliert, was zu einer Neigung zu einer Diagnose schizodepressive Störung führt,

ist die Abgrenzung einer Manie mit psychotischen Inhalten oder auch eines gemischten

affektiven Bildes mit psychotischen Erleben von schizoaffektiven Störungen,

insbesondere der schizomanischen Erkrankung, schwierig.

Die klinischen Bilder der wahnhaften Depression

Führendes Symptom ist die depressive Herabgestimmtheit, wobei die Depressivität nicht vor

oder nach der Wahnsymptomatik, sondern gleichzeitig vorhanden sein muss. Affektive und

kognitive Störungen müssen also parallel laufen, sonst wäre eine schizoaffektive Erkrankung

zu diskutieren. Die amerikanische Psychiatrie lässt hier auch Stimmungsinkongruenz, d.h. eine

fehlende Übereinstimmung zwischen der depressiven Herabgestimmtheit und dem Thema des

psychotischen Erlebens, zu, während in der europäischen bzw. deutschen Psychiatrie eher die

Stimmungskongruenz des psychotischen Erlebens mit der Depressivität gefordert wird, also

das Schulderleben, z.B. am Untergang der Welt schuldig zu sein, im Kontext der depressiven

Herabgestimmtheit und umgekehrt. Klinisch beobachtet man eine häufig bereits generalisierte

kognitive Einengung auf die Wahnthematik, wobei prinzipiell auch einzelne depressive

Wahnideen, vor allem zu Beginn bzw. als Residuum nach Ablauf der gesamten depressiven 

Episodebeobachtet werden Paranoide Eigenbeziehungen, z.B. Verfolgungsideen, weil man am

Untergang der Welt schuldig ist, weil man sich schuldig gemacht hat und deswegen beobachtet

und verfolgt wird, sind ebenso erlaubt wie Halluzinationen, die überwiegend akustischer oder 

haptischer Art sind. Paranoide Beziehungsideen sowie Halluzinationen sollen dabei

stimmungskongruent und psychodynamisch Ausdruck von Externalisierung und schuldbezogener

Projektion sein. So kann z.B. die Stimme des verstorbenen Angehörigen aus dem Grab, die

den Erkrankten zu sich ruft, als externalisierter eigener Todeswunsch verstanden werden.

Aus klinischer Erfahrung handelt es sich meistens um akustische Halluzinationen, hierbei oft

um Stimmen, so z.B. die laut werdende Stimme des Gewissens oder die Stimme eines geliebten

Angehörigen aus dem Grab, der einen zu sich ruft. Diese akustischen Halluzinationen können

auch den Charakter imperativer Stimmen annehmen, so z.B. als Aufforderung zum Suizid,

das zu tun, was man längst sei, nämlich eine "tote Hülle". 

Die Wahninhalte des depressiv Kranken hat Scharfett formuliert und dabei nicht mehr von 

"Urängsten" im Sinne von Kurt Schneider gesprochen, sondern von der wahnhaften

Gewissheit des eigenen Unterganges durch Schwinden der Welt, durch Krankheit, Verarmung

oder Schuld. Mit zunehmender Schwere der wahnhaften depressiven Erkrankung konvergieren

Inhalte auf die Schuldproblematik, wobei dann im depressiven Wahn der Schuldgedanke

als zentrales Thema imponiert.

Die Verursachung des eigenen Untergangs durch Krankheit wird im hypochondrischen Wahn

und Körperwahn deutlich. 

Die Ursache durch Verarmung, Verhungern zeigt sich im Verarmungswahn.

Der durch Schuld bzw. Strafe herabgeführte Untergang wird im Versündigungswahn, im

Verdammungs- und Bestrafungswahn, im depressiven Verfolgungswahn wegen Verfehlung deutlich

und die Gewissheit des selbst vollzogenen Untergangs im Schwindel der Welt

im nihilistischen Wahn.

Dabei steht im Stadium des vollausgebildeten Wahns immer die Gewissheit, nicht mehr die Angst

vor dem Untergang. 

Der wahnhaft Depressive hat keine Angst, schuldig zu werden und geworden zu sein.

Die Angst vor dem Eintreten von etwas Bedrohlichem ist im depressiven Wahn überwunden

und hat den Charakter der Gewissheit angenommen. Dabei braucht der wahnhaft Kranke keine

Rückversicherung oder Bestätigung, für ihn ist alles klar und sicher.

In der Rückbildung der wahnhaften Symptomatik stellt das Wiedererlangen der Fähigkeit zur

Angst und zum Zweifel einen wichtigen Schritt hinsichtlich Distanzierung und Korrektur des

wahnhaften Denkens dar.

Besonderheiten der wahnhaften Depression

Auf einige weitere Besonderheiten der "psychotic depression" sei noch hingewiesen.

Clayton findet unter der Gruppe der wahnhaften Depression mehr Frauen, eine erhöhte Suizidrate

und Hinweise, dass diese eher zur bipolaren Gruppe affektiver Störungen zählen.

Ersterkrankungen jenseits des 50. Lebensjahres mit Wahnsymptomatik sollen dabei eher

unipolar verlaufen. Grundsätzlich ist bei wahnhaft Depressiven von einer erhöhten suizidalen 

Gefährdung auszugehen, wobei nach klinischer Erfahrung das Suizidrisiko am höchsten in der

Aufnahmesituation sowie nach Abklingen des depressiven Wahns ist.

Metzger und Wolfersdorf beobachteten in einer Untersuchungsgruppe von durch Suizid

verstorbenen Depressiven häufiger einen depressiven Wahn als in einer Vergleichsgruppe.

Dabei fällt das signifikante Überwiegen der Männer bei der psychotischen Symptomatik auf,

die hochsignifikante Zuordnung aller Suizide zur Gruppe mit psychotischer Symptomatik,

der höhere Schweregrad nach Hamilton - Depressionsskala in der wahnhaft depressiven Gruppe

bei Aufnahme, aber nicht mehr bei Entlassung und auch nicht mehr in der Katamnese, sowie die

schlechtere subjektive Befindlichkeit zum Zeitpunkt der Entlassung in der Gruppe mit

psychotischer Symptomatik.

Das Überwiegen der Männer in der psychotischen Gruppe lässt sich mit dem

Inanspruchnahmeverhalten männlicher Depressiver erklären, die eben nur bei besonderer

Schwere oder Auffälligkeit in stationäre Behandlung kommen.

Therapie der wahnhaften Depression

Wie auch sonst in der Depressionsbehandlung gilt auch für die wahnhafte Depression die

Kombination psychopharmakologischer und psychotherapeutischer sowie psychosozialer

Behandlungsansätze als Standard.

Die Grundzüge des hilfreichen Umgangs mit einem wahnhaft depressiven Patienten gehen

davon aus, dass ein depressiver Wahn immer ein akuter Notfall ist, denn für den Patienten

geht es um Todes- und Untergangsgewissheit. Notwendig sind also rasche diagnostische

Abklärung, sofortiges Krisenmanagement und umgehender Therapiebeginn.

Hier sind Krankheitseinsicht und Weglaufgefährdung abzuklären, die Ernährung

sicherzustellen und der Patient darf auch nicht alleine gelassen werden; dies bedeutet unter 

Umständen pflegerische Einzelbetreuung, engmaschigen Kontakt, engmaschige 

Kommunikation und Kontrolle.

Akzeptanz, Empathie und Ich-Stützung sowie Sicherung der vitalen Bedürfnisse stehen in 

der Akutphase der Depressionsbehandlung im Vordergrund.

 

 

Quelle: Vortrag Dr. M. Wolfersdorf

Dortmund-Hemeraner Tage 2002

 

Eigene Anmerkungen zur Wahnhaften Depression nach einem Vortrag während der 

Dortmund - Hemeraner Tage 2002

  

Bekannt sind 7 Symptome : Wahn, Halluzination ( und / oder ) Verarmung, Versündigung, Schuld, Untergang, 

Körperwahn,   Wahn entsteht durch Projektion. Depressiver Wahn ist ein akuter Notfall. Frauen sind mehr 

betroffen als Männer. Die Erkrankung tritt meistens jenseits des 50. Lebensjahres auf. 

Die Suizidrate liegt bei 30 Prozent.

 

Die dunkle Jahreszeit - eine Gemütsbelastung?

Bei dieser schweren, episodisch auftretenden Depression, die oft eine erhebliche Belastung 

zeigt, ist die Pharmakotherapie, das heißt, die Behandlung mit Antidepressiva die wirksamste 

Therapie. Wachtherapie, Lichttherapie und auch Elektrokrampftherapie werden oft zusätzlich

eingesetzt. Das Wiederauftreten von Phasen wird durch Vorbeugemedikamente wie Lithium

oder Carbamazepin zu verhindern versucht.

Die Gruppe der depressiven Patienten sind so genannte "stille " Kranke. Sie bedürfen einer

speziellen Behandlung, im stationären Rahmen einer Spezialstation. Inzwischen gibt es

60 Depressionsstationen in Deutschland. Bestimmte Therapie - Richtlinien haben sich als am

wirksamsten erwiesen:

Therapeutische Bausteine des Depressionskonzeptes sind:

Einzelpsychotherapie zur Bearbeitung individueller Konflikte,

Gruppenpsychotherapie zur Bearbeitung interaktioneller Inhalte wie Selbstwertproblematik,

Leistungs und Normorientierung, Verlusterleben,

Erlebnisorientierte Therapien wie Ergotherapie, Sporttherapie, Entspannungstherapie,

Maltherapie, Musiktherapie, soziales Kompetenztraining,

Angehörigengruppen,

Zusammenarbeit mit ambulanten psychosozialen Einrichtungen sowie Selbsthilfegruppen.

Schwer depressiv Erkrankte benötigen unbedingt Medikamente. Die Antidepressiva sind

besser als ihr Ruf, sie machen nicht abhängig und die Nebenwirkungen halten sich in 

Grenzen. Tranquilizer sind wegen der guten Wirkung auf ängstliche Unruhe ergänzend

einzusetzen.

Die psychotherapeutische Basisbehandlung besteht aus:

Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, Vermittlung von Ermutigung und Hoffnung,

Entlastung von Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Versagensgefühlen,

Entlastung vom bisherigen Pflichtendruck.

Spezielle Psychotherapieverfahren sind:

Tiefenpsychologische Therapie mit Aufschlüsselung der unbewussten Ursachen

depressiven Erlebens. 

Kognitive Verhaltenstherapie mit Korrektur der negativen Wahrnehmungsverzerrung,

 Interpersonelle Psychotherapie mit Besserung von Beziehungsschwierigkeiten.

Alle therapeutischen Maßnahmen haben die Behandlungsziele:

Verstärkung von Selbstwertgefühl, Reduktion von Hoffnungslosigkeit,

Wiedererlangung selbstständigen Handelns.

Das häufigste Vorurteil, das Depressiven begegnet, ist, sie litten an einer eingebildeten

Krankheit, an Versagen, an Lebensuntüchtigkeit. Diese Fehleinschätzung mündet oft in die

völlig unangebrachte Empfehlung: "Reiß dich zusammen." Dabei gilt besonders für die

Depressiven mit Stoffwechselstörungen, dass sie eher zu leistungsorientiert, 

zu willensstark und zu pflichtbewusst sind.

Depressionen sind nicht einfach vorübergehende Verstimmungen, sondern müssen ärztlich

behandelt werden. Selbsttötungen sind häufiger als tödliche Verkehrsunfälle.

Und bei sachgerechter Behandlung haben Depressive eine ausgesprochen 

günstige Prognose.

                   

Quelle : Auszug aus dem Beitrag von Dr. Beowolf Tacke,

Ausgabe 1 stipp visite Kath. St. Johannes - Gesellschaft, Dortmund

   

 

Merkmale und Grundsymptome

Drei Merkmale machen die Depression zum Leiden 

Die traurige Verstimmung

Die Denkhemmung

Die körperlichen Symptome

 

1. Die traurige Verstimmung, verbunden mit Apathie und Antriebsschwäche, kann sich bis zur völligen Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung steigern.

2. Die Idee - und Denkhemmung äußert sich in negativ beherrschten Denkinhalten, kreisenden Gedanken und Entschlussunfähigkeit.

Am auffallensten ist das sich stets wiederholende Denkmuster, beispielsweise:

 

" Es hat alles keinen Sinn. "

" Ich kann nicht mehr leben. "

" Ich habe versagt. "

" Ich habe alles falsch gemacht. "

" Ich habe mich versündigt. "

" Mir ist nicht zu helfen. "

 

3. Die körperliche Veränderung, in der Fachsprache als psychomotorische Hemmung bezeichnet, äußert sich als 

Überaktivität ( Agitiertheit ) oder Blockierung ( Hypomanie ). Zusätzlich belastend ist eine breite Palette 

körperlicher Symptome, die einzeln oder gehäuft auftreten:

Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Mundtrockenheit, Druck - und Engegefühl im Hals 

( Kloß im Hals )

Schweißausbrüche, häufig nachts, Herzklopfen, Herzbeklemmung, Pulsbeschleunigung oder Pulsverlangsamung,

Appetitverlust, Gewichtsabnahme oder Vielesserei, träge Verdauung

diffuse Organschmerzen : Bauchweh, Nierenbeschwerden, Gelenkaffektionen ( rheumaähnlich )

gestörte Sexualfunktion und bei der Frau Menstruationsbeschwerden,

Störung der Vitalgefühle, des " elan - vital ", mit Kraftlosigkeit, Erschöpfung

 

Umfassende Therapie

Man nennt eine Therapie dann umfassend, wenn - dem individuellen Zustand des Kranken entsprechend - 

mehrere Therapiearten zum Einsatz kommen. Es werden neben den medikamentösen und physiologischen 

Maßnahmen auch diese eingesetzt:

- das Gespräch: Stützung und Begeleitung

- die Sozialberatung : Lösung von Lebens - , Wohn - und Rehabilitationsproblemen

- die Verhaltenstherapie : Anleitung zur Verhaltensänderung

- die Psychotherapie : geistig - seelische Stützung und Weiterführung

 

Krisenintervention

Die Krisenintervention - Hilfeleistung in der Krise - betrifft im Falle einer Depression häufig die Selbstmordgefahr.

Die Beherrschung einer solchen Situation hängt weitgehend davon ab, in welchem familiären und sozialen Milieu 

der Kranke lebt und ob gewährleistet ist, dass sich die Familienangehörigen genügend verständnisvoll um ihn 

kümmern können. Sind die Voraussetzungen günstig, kann die Betreuung ambulant erfolgen.

Die Hospitalisierung - Einweisung in eine psychiatrische Klinik - ist aber im Falle eines akuten Suizidrisikos nicht zu

umgehen. Eine absolut sichere Suizidprophylaxe gibt es leider nicht, die beste ist die Früherkennung und das 

stützende, hilfreiche Verhalten.

Zur Früherkennung hilft die Kenntnis der Alarmsignale.

Dem Suizidversuch geht häufig ein sogenanntes presuzidales Syndrom voraus.

Es entwickelt sich in drei Phasen:

 

1. Einengung der Wahrnehmung und Gefühle, Rückzug auf sich, Gefühl der Vereinsamung,

   Sinn - und Ausweglosigkeit;

2. ohnmächtige Aggression und Vorwürfe gegen andere, schmerzliche Resignation,

   Ankündigung der Suizidabsicht;

3. Flucht in die Phantasie, die zunehmend von der Selbsttötungsabsicht besetzt wird, und 

    Ausmalen der den anderen durch die Selbsttötung entstehenden Leiden.

 

Das hilfreiche Verhalten liegt insbesondere in der Bereitschaft, mit dem Betroffenen offen über seine Suizidabsicht

zu reden. Die im Gespräch sich ergebenden Hinweise auf einen Selbstmord sind immer ernst zu nehmen.

 

" Ernst nehmen " heißt:

- den Betroffenen möglichst nicht alleine lassen;

- ihn beschäftigen, ablenken, etwas mit ihm unternehmen;

- professionelle Hilfe beiziehen, ärztliche oder seelsorgliche Beratung, pharmaka - und

  psychotherapeutische Maßnahmen;

- mit ihm im Gespräch bleiben, auch über die Selbstmordgedanken und den Todeswunsch sprechen;

- einen Vertrag abschließen, zum Beispiel dass man ihm das Versprechen abnimmt, innerhalb eines

  klar vereinbarten Zeitraumes keinen Suizidversuch zu unternehmen.

  Das kann zum Abbau der Suizidgedanken beitragen.

Quelle : Buch Bilder einer Depression - Kreuz Verlag